Im September fragt uns kaum jemand danach, im Dezember dafür alle gleichzeitig. Dabei entscheidet sich der Nutzen einer Grippeimpfung wesentlich am Zeitpunkt. Deshalb hier das Wichtigste, solange noch Ruhe dafür ist.
Grippe ist nicht „eine schwere Erkältung”
Der Unterschied ist nicht die Schwere, sondern der Verlauf. Eine Erkältung schleicht sich über zwei, drei Tage an. Eine echte Influenza trifft Sie innerhalb von Stunden: hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten, völlige Erschöpfung. Wer sie einmal hatte, verwechselt sie nie wieder mit einem Schnupfen.
Für die meisten gesunden Erwachsenen ist das eine unangenehme Woche im Bett. Für andere kann es gefährlich werden – vor allem, wenn eine Lungenentzündung dazukommt oder eine bestehende Herz- oder Lungenerkrankung aus dem Gleichgewicht gerät.
Wer sich impfen lassen sollte
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung besonders für:
- Menschen ab 60 Jahren
- Schwangere ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft, bei Vorerkrankungen früher
- Chronisch Kranke – etwa mit Diabetes, Asthma, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Lebererkrankungen, Immunschwäche
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
- Medizinisches und pflegerisches Personal sowie alle mit viel Publikumsverkehr
- Haushaltsangehörige von Risikopersonen – wer selbst geschützt ist, trägt die Grippe nicht nach Hause
Für Menschen ab 60 gibt es einen Hochdosis-Impfstoff, weil das Immunsystem im Alter schwächer auf die Standarddosis anspricht.
Wann ist der richtige Zeitpunkt
Oktober und November sind ideal. Der Körper braucht etwa zwei Wochen, um den Schutz aufzubauen, und die Grippewelle beginnt in Deutschland meist zwischen Dezember und Februar.
Zu früh ist auch nicht gut: Der Impfschutz lässt über die Monate nach. Wer sich im August impfen lässt, hat im Februar womöglich weniger davon als jemand, der bis zum Herbst gewartet hat.
Und wenn Sie den Zeitpunkt verpasst haben? Auch eine späte Impfung lohnt sich noch. Solange die Welle läuft, ist Impfen sinnvoller als nicht zu impfen.
Warum jedes Jahr neu? Influenzaviren verändern sich ständig. Die WHO beobachtet, welche Varianten zirkulieren, und der Impfstoff wird jedes Jahr daran angepasst. Die Impfung vom Vorjahr schützt deshalb nur eingeschränkt – auch dann, wenn Sie damals gut darauf angesprochen haben.
Was die Impfung leisten kann – und was nicht
Ehrlich bleiben gehört dazu: Die Grippeimpfung verhindert nicht jede Erkrankung. Ihre Wirksamkeit schwankt von Saison zu Saison, je nachdem, wie gut Impfstoff und zirkulierende Viren zusammenpassen.
Was sie zuverlässig tut: Sie mildert den Verlauf. Geimpfte, die trotzdem erkranken, haben seltener schwere Verläufe und Komplikationen und müssen seltener ins Krankenhaus. Genau darum geht es bei den Risikogruppen.
Übliche Reaktionen sind ein schmerzender Arm, manchmal Müdigkeit oder leichtes Frösteln für ein, zwei Tage. Das ist keine „leichte Grippe”, sondern das Immunsystem bei der Arbeit – der Impfstoff enthält keine vermehrungsfähigen Viren.
Wo Sie sich impfen lassen können
Der klassische Weg führt in die Hausarztpraxis oder zum Betriebsarzt. Seit einigen Jahren dürfen aber auch Apotheken gegen Grippe impfen – Erwachsene, durch eigens dafür geschultes pharmazeutisches Personal.
In der Robert-Koch-Apotheke bereiten wir das gerade vor: Unser Apotheker Florian Otto absolviert derzeit die dafür nötige Weiterbildung. Sobald das abgeschlossen ist, wollen wir die Grippeimpfung auch bei uns anbieten – mit fester Terminvergabe, damit niemand dafür in der Offizin warten muss.
Ein Datum nennen wir bewusst noch nicht, solange die Ausbildung läuft. Fragen Sie im Herbst einfach bei uns nach – oder sprechen Sie uns an, wenn Sie ohnehin da sind. Wenn es bei uns noch nicht so weit ist, sagen wir Ihnen das offen und Sie verlieren keine Zeit.
Was wir jetzt schon können: Wir sagen Ihnen, ob Sie zu einer Gruppe gehören, für die die STIKO die Impfung empfiehlt, ob Ihre Kasse zahlt, und ob eine Ihrer Dauermedikationen dabei eine Rolle spielt. Kommen Sie gern vorbei.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden lassen Sie das bitte ärztlich abklären.