Apotheker zeigt einer älteren Kundin am Beratungstisch, wie man ein Dosieraerosol mit Inhalierhilfe benutzt
Sicher mit Medikamenten

Wie inhaliere ich richtig? Die häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeiden

Von Björn Arbter Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Bild mit KI erstellt

Bis zu acht von zehn Menschen inhalieren nicht korrekt, meist ohne es zu merken. Welche Handgriffe bei Spray, Pulver und Sprühvernebler wirklich zählen und warum Spray und Pulver gegensätzliche Atemtechniken brauchen.

Bei kaum einem Medikament entscheidet die Anwendung so sehr über die Wirkung wie beim Inhalieren. Eine Tablette wirkt, egal ob Sie sie im Stehen oder im Sitzen schlucken. Beim Inhalator dagegen kann ein großer Teil der Dosis im Mund landen statt in der Lunge, wenn ein Handgriff nicht stimmt.

Die internationalen Asthma-Empfehlungen gehen davon aus, dass bis zu acht von zehn Menschen ihren Inhalator nicht korrekt benutzen. Die meisten merken es nicht. Hilft das Medikament dann nicht richtig, liegt der Gedanke an eine höhere Dosis nahe. Die Leitlinien sagen ausdrücklich: Vor jeder Steigerung der Therapie soll zuerst die Inhalationstechnik geprüft werden.

Warum muss ich beim Spray anders einatmen als beim Pulver?

Das ist einer der häufigsten Fehler. Er passiert vor allem, wenn jemand von einem Gerät auf ein anderes umgestellt wurde:

  • Spray (Dosieraerosol) und Sprühvernebler: langsam und tief einatmen. Das Einatmen sollte kaum zu hören sein. Das Spray bringt den Wirkstoff selbst auf den Weg, Sie müssen nur mitziehen.
  • Pulverinhalator: bei den meisten Geräten kräftig, zügig und tief einatmen, sodass man es hört. Hier verteilt allein Ihr Atemzug das Pulver.

Wer ein Pulver so sanft einatmet wie ein Spray, bekommt kaum Wirkstoff in die Lunge. Wer ein Spray so kräftig einzieht wie ein Pulver, schlägt den Wirkstoff im Rachen nieder. Falls Sie beide Gerätetypen benutzen, lassen Sie sich die Unterschiede einmal von uns nebeneinander zeigen. Grundsätzlich empfehlen die Leitlinien, möglichst bei einem Gerätetyp zu bleiben, weil das Verwechslungen vorbeugt.

Wie benutze ich ein Dosieraerosol richtig?

  1. Kappe ab und kurz ins Mundstück schauen, ob nichts drinsteckt.
  2. Schütteln. In vielen Sprays setzt sich der Wirkstoff ab, wenn das Gerät ruht. Schütteln Sie deshalb vor jedem Hub und inhalieren Sie gleich danach. Nur wenn der Beipackzettel ausdrücklich sagt, dass Schütteln nicht nötig ist, können Sie es lassen.
  3. Aufrecht sitzen oder stehen, Kopf gerade oder leicht zurückgeneigt. Das Spray senkrecht halten, Mundstück unten.
  4. Ausatmen, ruhig und so weit es angenehm ist, aber nicht in das Gerät hinein.
  5. Mundstück in den Mund, Lippen fest umschließen.
  6. Langsam und tief einatmen, gleich zu Beginn den Hub auslösen und dabei ruhig weiter einatmen. Diese Abstimmung ist der schwierigste Teil.
  7. Gerät absetzen und 5 bis 10 Sekunden die Luft anhalten. So können sich die Teilchen in der Lunge absetzen. Danach langsam ausatmen, nicht ins Gerät.
  8. Für einen zweiten Hub etwa 30 Sekunden warten und vorher erneut schütteln.

Bei einem neuen Spray oder nach einigen Tagen Pause sprühen Sie vorher wie im Beipackzettel beschrieben ein- oder mehrmals in die Luft. Hat Ihr Spray kein Zählwerk, zählen Sie die Hübe mit. Ein Dosieraerosol kann nach der aufgedruckten Anzahl noch sprühen, gibt dann aber keine verlässliche Dosis mehr ab. Schütteln oder Wiegen verrät das nicht zuverlässig.

Was bringt eine Inhalierhilfe (Spacer)?

Ein Spacer ist eine Kammer zwischen Spray und Mund. Sie sprühen hinein und atmen direkt danach ruhig daraus ein. Die schwierige Abstimmung zwischen Auslösen und Einatmen fällt damit weg.

Das hat zwei Vorteile: Mehr Wirkstoff erreicht die Lunge, und weniger bleibt im Rachen hängen. Bei Kortison-Sprays bedeutet das auch weniger Heiserkeit und weniger Pilzbefall im Mund, deshalb wird der Spacer dort ausdrücklich empfohlen. Kinder bis fünf Jahre sollen Sprays nach der Leitlinie grundsätzlich mit Spacer anwenden. Kleine Kinder beginnen mit Maske und wechseln so früh wie möglich auf das Mundstück, oft ab etwa zwei bis drei Jahren. Sinnvoll ist ein Spacer außerdem für alle, denen das Timing schwerfällt.

So geht es richtig:

  • Immer nur einen Hub hineinsprühen und sofort einatmen. Mehrere Hübe auf einmal verringern die Dosis.
  • Mit Mundstück genügt ein langsamer, tiefer Atemzug mit 5 bis 10 Sekunden Luftanhalten oder zwei bis drei ruhige Atemzüge. Mit Maske sind es fünf bis sechs Atemzüge.
  • Gereinigt und ausgetauscht wird nach der Gebrauchsanweisung Ihres Modells, denn hier unterscheiden sich die Hersteller deutlich. Tauschen Sie den Spacer nicht ohne Rücksprache gegen ein anderes Modell, das kann die Dosis verändern.

Worauf kommt es beim Pulverinhalator an?

  • Laden Sie das Gerät erst kurz vor dem Inhalieren und genau so, wie es im Beipackzettel steht. Manche Geräte müssen dabei senkrecht stehen, andere werden über einen Hebel oder die Kappe geladen.
  • Nie in das Gerät ausatmen. Feuchtigkeit verklumpt das Pulver.
  • Lippen dicht um das Mundstück, dann einatmen wie für Ihr Gerät beschrieben, meist kräftig, zügig und tief.
  • Auch hier: Gerät absetzen und 5 bis 10 Sekunden die Luft anhalten.
  • Ob Sie etwas schmecken, hängt vom Gerät ab und sagt nichts über die Wirkung. Verlässlicher sind das Zählwerk oder bei Kapselgeräten die leere Kapsel.

Im akuten Asthmaanfall reicht die Kraft zum Einatmen oft nicht für einen Pulverinhalator. Für Notfälle ist deshalb meist ein Spray verordnet. Ist Ihr Bedarfsmittel ein Pulverinhalator, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was im Notfall gilt.

Und was ist beim Sprühvernebler anders?

Vor jeder Anwendung drehen Sie bei geschlossener Kappe das Unterteil eine halbe Drehung bis zum Klick. Dann atmen Sie langsam und tief ein und lösen dabei aus, ähnlich wie beim Spray, nur weniger zeitkritisch, weil die Wolke besonders langsam und fein ist. Halten Sie das Gerät waagerecht und achten Sie darauf, die seitlichen Luftschlitze nicht mit den Fingern zu verdecken. Danach möglichst etwa 10 Sekunden die Luft anhalten. Nach mehreren Tagen Pause muss das Gerät laut Gebrauchsinformation erneut vorbereitet werden.

Warum soll ich nach dem Kortison den Mund ausspülen?

Enthält Ihr Inhalator Kortison, dann spülen Sie nach jeder Anwendung den Mund aus und spucken das Wasser aus. Alternativ putzen Sie die Zähne oder essen etwas. Am einfachsten ist es, vor einer Mahlzeit oder vor dem Zähneputzen zu inhalieren. Kortison steckt vor allem in Mitteln zur Dauertherapie, bei manchen Menschen aber auch im Bedarfsmittel. Ob Ihr Gerät Kortison enthält, steht in der Packungsbeilage, oder Sie fragen uns.

Der Grund: Was im Mund zurückbleibt, kann einen Pilzbefall (Mundsoor) begünstigen und die Stimme heiser machen. Beides lässt sich meist leicht vermeiden, ein Spacer senkt das Risiko zusätzlich.

Wann sollte ich meine Technik überprüfen lassen?

Die Leitlinien nennen klare Anlässe: bei einem neuen Inhalator, bei jedem Wechsel des Geräts, wenn die Beschwerden nicht gut kontrolliert sind, und auch sonst regelmäßig. Selbst wer es einmal gut gelernt hat, verliert die Technik oft nach einigen Wochen wieder. Gerade nach Jahren schleichen sich Gewohnheiten ein, die anfangs nicht da waren.

Eine Übung am Beratungsplatz bringt hier mehr als der Beipackzettel allein. Bringen Sie Ihr Gerät mit, wir schauen zu, wie Sie inhalieren, und üben die Handgriffe an einem Übungsgerät ohne Wirkstoff.

Haben Sie einen Inhalator neu verordnet bekommen oder wurde Ihr Gerätetyp gewechselt, übernimmt die Krankenkasse diese Einweisung für gesetzlich Versicherte ab sechs Jahren. Ein eigenes Rezept dafür brauchen Sie nicht. Inhalieren Sie schon länger, haben Sie in der Regel einmal alle zwölf Monate Anspruch, wenn Sie in dieser Zeit keine Einweisung bekommen haben und nicht in einem Behandlungsprogramm (DMP) für Asthma oder COPD eingeschrieben sind. Alles Weitere finden Sie bei unserer Inhalationsschulung. Und wenn Sie einfach sichergehen möchten: Kommen Sie vorbei, wir nehmen uns die Zeit.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Ihre Beschwerden trotz richtiger Anwendung nicht besser werden, sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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