Der Urlaub ist vorbei, die Koffer sind ausgepackt – nur die Reiseapotheke wandert meist ungeöffnet zurück in die Schublade. Dabei lohnt sich genau jetzt ein Blick hinein. Nicht aus Ordnungsliebe, sondern weil einige der Sachen darin den Sommer möglicherweise nicht überstanden haben.
Was Hitze mit Arzneimitteln macht
Die meisten Medikamente sollen bei „Raumtemperatur” gelagert werden, also unter 25 °C. Im Handschuhfach eines geparkten Autos werden im Sommer schnell 60 °C erreicht, im Strandrucksack oder auf der Fensterbank des Ferienapartments ebenfalls deutlich mehr als 25 °C. Wie Hitze wirkt und was Sie beim nächsten Mal besser machen, haben wir in unserem Beitrag zu Medikamenten und Hitze ausführlich beschrieben.
Das Tückische daran: Man sieht es einer Tablette meist nicht an. Sie kann äußerlich unverändert aussehen und trotzdem an Wirkstärke verloren haben. Deshalb gilt für alles, was länger in der Wärme lag, im Zweifel: aussortieren.
Sichtbare Warnzeichen gibt es bei manchen Formen doch:
- Zäpfchen, die weich, verformt oder wieder erstarrt sind
- Cremes und Salben, die sich entmischt haben, körnig wirken oder anders riechen
- Tabletten mit Verfärbungen, Rissen oder klebriger Oberfläche
- Säfte und Tropfen, die trüb geworden sind oder ausflocken
- Alles, was feucht geworden ist – auch Blister mit Kondenswasser
Besonders empfindlich sind Insuline, Antibiotikasäfte, Augentropfen und alles, was gekühlt gehört. Bei diesen Mitteln fragen Sie im Zweifel lieber einmal zu viel nach.
Der Herbst-Check für die Hausapotheke
Wenn die Reiseapotheke ohnehin ausgeräumt wird, machen Sie den Rest gleich mit. Zwanzig Minuten, einmal im Jahr – und das restliche Jahr können Sie sich darauf verlassen:
- Verfallsdaten prüfen. Abgelaufenes konsequent aussortieren, auch wenn es „noch fast voll” ist.
- Angebrochene Packungen datieren. Augentropfen sind nach dem Öffnen meist nur vier Wochen haltbar, viele Säfte wenige Wochen. Schreiben Sie das Öffnungsdatum mit einem Stift auf die Packung – das erspart später jedes Rätselraten.
- Beipackzettel wieder dazulegen. Die Dosierung für Kinder steht nirgends sonst.
- Ergänzen, was fehlt: Wundschnellverband, sterile Kompressen, ein Fieberthermometer, Elektrolytpulver, Schmerz- und Fiebermittel, etwas gegen Durchfall und ein Mittel gegen Insektenstiche. Und alles, was Sie oder Ihre Kinder dauerhaft brauchen, in ausreichender Menge.
- Ort prüfen: Das Badezimmer ist der schlechteste Platz für eine Hausapotheke – warm und feucht. Besser ein Schrank im Schlaf- oder Flurbereich, abschließbar, wenn Kinder im Haus sind.
Und wohin damit?
Jetzt der Teil, bei dem uns die meisten Fragen erreichen – und bei dem sich hartnäckig zwei Irrtümer halten.
Nicht in die Toilette, nicht ins Waschbecken. Kläranlagen können Arzneimittelrückstände nur teilweise herausfiltern. Was Sie herunterspülen, landet am Ende in Flüssen und im Grundwasser. Das ist der schlechteste aller Wege.
In den allermeisten Fällen: in den Restmüll. Das klingt falsch, ist aber richtig. Der Hausmüll in Deutschland wird verbrannt, und dabei werden die Wirkstoffe zuverlässig zerstört. Ein paar Hinweise:
- Tabletten am besten im Blister oder in der Originalpackung lassen und in den Restmüll geben – nicht lose.
- Flüssigkeiten geschlossen lassen.
- Damit niemand die Packung im Müll findet und verwendet: unkenntlich machen oder in ein anderes Behältnis geben.
- Ob Ihre Kommune Sonderregeln hat, steht im Abfallkalender – in einigen Regionen gibt es Sammelstellen oder das Schadstoffmobil.
Zu uns bringen können Sie es auch. Wir nehmen Altmedikamente entgegen und entsorgen sie fachgerecht – das ist zwar keine gesetzliche Pflicht der Apotheken, aber für uns selbstverständlich. Besonders sinnvoll ist das bei allem, was nicht in den Hausmüll gehört:
- Zytostatika und andere hochwirksame Mittel
- Betäubungsmittel – die dürfen Sie ohnehin nicht selbst entsorgen
- Spritzen, Kanülen und Lanzetten – Verletzungsgefahr, die gehören in einen durchstichsicheren Behälter
- Wenn Sie schlicht unsicher sind, was Sie da in der Hand halten
Bringen Sie es einfach in einer Tüte vorbei. Sie müssen nichts sortieren und nichts erklären – wir machen das.
Ein Hinweis zum Schluss
Sortieren Sie nichts aus, was Sie dauerhaft einnehmen, bevor Sie Ersatz haben. Und setzen Sie ein Medikament nicht ab, nur weil die Packung abgelaufen ist – sprechen Sie uns an, dann klären wir, wie schnell Nachschub da sein muss. Bei manchen Dauermedikationen ist eine Lücke von wenigen Tagen unproblematisch, bei anderen nicht.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden lassen Sie das bitte ärztlich abklären.