„Sie dürfen das?” Diese Frage hören Apotheken bundesweit jeden Herbst. Die Antwort ist seit einigen Jahren ein klares Ja, und sie wird 2026 noch ein Stück größer. In der vergangenen Grippesaison haben rund 1.700 Apotheken in Deutschland etwa 218.000 Menschen gegen Grippe geimpft. Rund 15.000 Apothekerinnen und Apotheker haben sich seit 2020 dafür schulen lassen.
Weil sich die Regeln gerade verschieben, hier der ehrliche Stand: was heute geht, was demnächst dazukommt und wo weiterhin die Arztpraxis zuständig ist.
Was das Gesetz erlaubt
Grundlage ist § 20c des Infektionsschutzgesetzes. Bis Mitte 2026 durften Apotheken damit gegen Grippe und Corona impfen.
Am 1. Juli 2026 ist das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) in Kraft getreten. Es erweitert den Rahmen deutlich: Apotheken dürfen jetzt grundsätzlich mit allen Impfstoffen impfen, die keine Lebendimpfstoffe sind, also zum Beispiel auch gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Pneumokokken, Hepatitis B oder Gürtelrose.
Wichtig für Sie als Patientin oder Patient: Erlaubt ist nicht dasselbe wie verfügbar. Für die zusätzlichen Impfungen braucht das Apothekenteam eine eigene Ergänzungsschulung. Die Bundesapothekerkammer hat das Schulungsprogramm dafür im Oktober 2026 verabschiedet, die Fortbildungen werden gerade vorbereitet. Auf Kosten der Krankenkassen sollen die neuen Impfungen nach Angaben der Apothekerschaft spätestens ab Anfang 2027 möglich sein. Bis dahin bleibt es in der Praxis bei Grippe und Corona. Wer Ihnen heute schon Tetanus in der Apotheke verspricht, ist zu schnell.
Lebendimpfstoffe bleiben ausgenommen, etwa Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die gehören weiterhin in die Arztpraxis.
Wer impfen darf und wer nicht
Impfen darf nicht, wer in der Apotheke arbeitet, sondern wer dafür ausgebildet ist. Voraussetzung ist eine ärztliche Schulung. Die bisherige Schulung für Grippe und Corona folgt einem Mustercurriculum, das die Bundesapothekerkammer gemeinsam mit der Bundesärztekammer erarbeitet hat, und umfasst 14 Fortbildungsstunden:
- Selbststudium zur Vorbereitung
- Theorie zu den Erkrankungen und den Impfstoffen
- Theorie zur Impftechnik, Aufklärung und Dokumentation
- mindestens vier Stunden praktische Übungen unter ärztlicher Anleitung
- mindestens zwei Stunden Notfallmanagement: was zu tun ist, wenn jemand kreislaufschwach wird oder allergisch reagiert
Dazu kommen eine gültige Erste-Hilfe-Qualifikation und geeignete Räume: Die Impfung findet nicht am Tresen statt, sondern in einem separaten Raum, für den die Bundesapothekerkammer in einer Leitlinie festlegt, was vorhanden sein muss.
Wer diese Schulung vor dem 1. Juli 2026 abgeschlossen hat, darf weiterhin gegen Grippe und Corona impfen. Für die weiteren Impfungen kommt die Ergänzungsschulung hinzu.
Aufklärung, Anamnese, Einwilligung und Dokumentation sind und bleiben Sache der Apothekerin oder des Apothekers. Neu ist: Die Spritze selbst darf die Apothekerin oder der Apotheker künftig an PTA und einige weitere pharmazeutische Fachkräfte übertragen. Voraussetzung ist, dass diese eine eigene ärztliche Schulung abgeschlossen haben, und geimpft wird nur unter Aufsicht. Das Schulungsprogramm dafür wird gerade erarbeitet. Bis es die ersten Kurse gibt, impfen in der Praxis die Apothekerinnen und Apotheker selbst.
Ab welchem Alter?
In der Apotheke wird ausschließlich ab 18 Jahren geimpft. Das gilt seit Juli 2026 für alle Impfungen, auch gegen Corona (vorher war das ab 12 Jahren möglich). Kinder und Jugendliche sind in der kinder- oder hausärztlichen Praxis richtig. Dort gehören sie ohnehin regelmäßig hin, weil es um weit mehr als eine einzelne Impfung geht.
Wie ein Impftermin abläuft
Planen Sie etwa 20 Minuten ein. Die Impfung selbst dauert Sekunden, der Rest ist Sorgfalt:
- Vorab: Sie bekommen den Aufklärungs- und Anamnesebogen, damit Sie ihn in Ruhe lesen können.
- Gespräch: Die Aufklärung muss mündlich erfolgen. Ein unterschriebener Zettel ersetzt sie nicht. Hier kommen Vorerkrankungen, Medikamente, frühere Impfreaktionen und Allergien zur Sprache.
- Einwilligung: Sie entscheiden, dann wird geimpft.
- Nachbeobachtung: 15 Minuten bleiben Sie noch da. Das ist keine Förmlichkeit: Die seltenen Sofortreaktionen zeigen sich in dieser Zeit.
- Dokumentation: Eintrag in Ihren Impfpass, dazu die vorgeschriebene Meldung an das Robert Koch-Institut. Gemeldet wird die Impfung, nicht Ihr Name.
Tipp aus der Apotheke: Bringen Sie Versichertenkarte, Impfpass und einen Ausweis mit. Fehlt der Impfpass, bekommen Sie eine Bescheinigung. Aber suchen Sie ihn vorher, ein vollständiger Pass ist mehr wert als fünf Einzelzettel.
Was es kostet
Für gesetzlich Versicherte in Sachsen-Anhalt ist die Grippeimpfung in der Apotheke kostenlos, egal wie alt Sie sind. Der Grund: Das Land hat die Grippeimpfung per Erlass für alle Altersgruppen öffentlich empfohlen, nicht nur für die Gruppen, die die Ständige Impfkommission nennt (etwa ab 60 Jahren, bei chronischen Erkrankungen oder in der Schwangerschaft). Apotheken impfen dabei weiterhin Erwachsene ab 18.
In anderen Bundesländern zahlt jede Kasse, wenn die Ständige Impfkommission die Impfung für Sie empfiehlt. Viele Kassen übernehmen sie darüber hinaus für alle Versicherten.
Die Abrechnung läuft direkt zwischen Apotheke und Krankenkasse, seit 2025 rein elektronisch, und Sie zahlen weder Zuzahlung noch Gebühr.
Privat Versicherte rechnen mit ihrer Versicherung ab; die Erstattung hängt vom Tarif ab.
Wann die Arztpraxis die bessere Adresse ist
Ganz offen: Die Apotheke ersetzt die Praxis nicht, sie entlastet sie. In die Praxis gehören
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren,
- Lebendimpfstoffe wie Masern oder Windpocken,
- komplizierte Vorgeschichten (schwere Immunerkrankungen, Impfreaktionen in der Vergangenheit, unklare Befunde),
- und alles, was ohnehin eine ärztliche Untersuchung braucht.
Der Vorteil der Apotheke liegt woanders: kurze Wege, Termine auch außerhalb von Sprechstunden, und Menschen, die Ihre Dauermedikation kennen, weil sie sie jeden Monat für Sie zusammenstellen.
Und bei uns?
In der Robert-Koch-Apotheke impfen wir seit Herbst 2026 gegen Grippe. Unser Apotheker Dr. Florian Wolfgang Otto hat dafür die nötige Weiterbildung absolviert. Einen festen Termin buchen Sie direkt auf unserer Seite zur Grippeimpfung. Wenn Sie dabei eine E-Mail-Adresse angeben, schicken wir Ihnen die Unterlagen vorab, damit Sie sie in Ruhe lesen können.
Dieser Beitrag gibt den Stand von Mitte Oktober 2026 wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen oder Beschwerden lassen Sie sich bitte persönlich beraten.